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Etwas Schweizer Brauchtum gefällig? Sächsilüüte am 16. April in Zürich

Von Katrin Frey

Kühe sind lila, die Milch kommt aus dem Tetrapack, und das süße Kälbchen hat nix mit dem Steak auf meinem Teller zu tun. Außerdem ist unsere Gesellschaft zwar christlich geprägt, aber das sind ja alles irrationale Märchen und Legenden. Und nun gehen wir zum paganen Frühlingsfest, bei dessen Verbrennung eines Schneemannes herausgefunden wird, wie schön der Sommer werden soll. Unsere Welt ist schräg und wir Menschen sowieso. Doch von vorne:

Sechseläuten – drei Wurzeln

Zürich, die größte Schweizer Stadt, gelegen an der Mündung der Limmat in den Zürichse feiert am dritten Montag im April das „Sächsilüüte“. Dieses Jahr ist es der 16. April. Es ist ein heidnisches Frühlingsfest, an dem der Winter in Form eines riesigen Schneemanns aus Holzwolle („Böög“) verbrannt wird. Sein Kopf ist mit Knallkörpern gefüllt und explodiert dementsprechend, wenn das Feuer den Kopf erreicht. Verliert der Böög seinen Kopf schnell, wird der Sommer schön.

Oben: Limmat mit Grossmünster und Wasserkirche im Vordergrund

Der Name „Sechseläuten“ rührt vom Ratsbeschluss von 1525 her, nach dem die zweitgrößte Glocke des Grossmünsters nach der Frühlingstagundnachtgleiche um 6 Uhr abends den Schluss des Arbeitstages ankündigte. Im Winter konnte wegen der Lichtverhältnisse nur bis 5 Uhr gearbeitet werden.

Organisiert wird der Anlass von den Zürcher Zünften. Zünfte (Gilden) sind Gruppen von Handwerkern, die ihre gemeinsamen Interessen in einer Organisation nach außen wahren. Diese ständischen Körperschaften entstanden im Mittelalter, verschwanden aber größtenteils in der frühen Neuzeit. In Bern und Zürich sind Zünfte jedoch noch heute Körperschaften des öffentlichen Rechts oder privatrechtliche Vereine und auch in Basel nehmen sie nach wie vor Einfluss.

Böög

Etwa 5000 „Bürdeli“ (zusammengebundenes Kleinholz von Zürcher Bäumen) machen den 10 Meter hohen Holzhaufen aus, auf dessen Plattform mit 7 m Durchmesser der Böög zu stehen kommt. Dieser ist 3,40 m groß und wiegt 100 kg. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Verbrennung des Böög eine zentral organisierte Angelegenheit der Stadt. „Böög“ ist übrigens eine verkleidete, vermummte Gestalt auf Zürideutsch. Der Holzhaufen wird um Punkt 18 Uhr angezündet und das Feuer klettert am Böög hinauf bis zum Kopf. Während der Böög-Verbrennung reiten Mitglieder von Zünften dreimal um den brennenden Schneemann herum und spielen den „Sechseläutenmarsch“ auf.

Oben: Mitglieder einer Zunft ziehen durch die Zürcher Bahnhofsstraße

Zug der Zünfte

Vor diesem Spektakel findet der Zug der Zünfte statt. Gegen 3500 Zünfter ziehen am Montagnachmittag durch die Stadt Zürich, durch die berühmte Bahnhofsstraße, via Limmatquai zum Sechseläutenplatz. Sie sind herausgeputzt in ihren Uniformen und Trachten. Mit dabei sind Gesandte des Gastkantons, Ehrengäste, Reiter, von Pferden gezogene Wagen und Musikformationen. Nach der Böög-Verbrennung nehmen die Zünfter ihr Abendessen ein und besuchen sich danach gegenseitig. In diesem Jahr ist Basel als Gastkanton mit dabei.

Im Kanton Zürich ist der Sechseläutenmontag ein lokaler Feiertag und somit schulfrei. Verteilt in der Stadt finden sich Vergnügungsbahnen und Marktstände. Hier kann die obligatorische Bratwurst verspeist werden, wie sie an sämtlichen Schweizer Volksfesten millionenfach genossen wird.

Möge der Sommer genügen Sonne und ausreichend – aber nicht zu viel! – Regen bringen.

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